Am Abend des 01. Dezember 2009 kam nun die zuvor durch den ASTA geforderte Stellungsnahme des Uni-Präsidenten Erich Barke. Gegen aller Vermutungen fiel diese sehr umfangreich aus und wurde einmal mehr an alle Studierende der LUH versendet. In der Stellungsnahme wird noch einmal ausführlich über den “Bologna-Prozess” und die daraus resultierenden Folgen aufmerksam gemacht. Meiner Meinung nach drückt diese Art der Stellungsnahme ein großes Plus für unseren Uni-Präsidenten aus, der gleichzeitig versucht, mehrere Studenten an dem laufenden Dialog über die Veränderungen zu beteiligen. Es kann nicht behauptet werden, dass er nicht die Kommunikation mit den Studierenden sucht, ganz im Gegenteil. Die zuvor offene Diskussionsbereitschaft der Präsidiums überrascht im Vergleich zu den Protesten in der Vorjahren. Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) hat jüngst in einem Interview eingeräumt, dass es falsch war, nicht mehr Bachelorprogamme mit acht Semestern Dauer geschaffen zu haben. Bei allem Respekt vor der Autonomie der Hochschulen ist er skeptisch, dass sie die Probleme in Eigenverantwortung beseitigen. “Wir haben verkannt, dass die Hochschulleitungen oft gar nicht in der Lage waren, eine vernünftige Reform gegen die Vielzahl von Einzelinteressen und Gremien durchzusetzen.”. Die Proteste der Besetzer gehen unterdessen weiter, wobei der Uni-Präsident einmal mehr deutlich gemacht hat, dass er eine weiter andauernde Besetzung des Audimax nicht dulden wird. Die Proteste sollen nicht zu Lasten der Studenten selber ausgetragen werden, die zwar durch einen gegründeten AK auf alternative Räume aufgeteilt wurden und werden, dies sei aber nicht der richtige Weg die Forderungen durchzusetzen. Der letzte Absatz der Mail des Präsidenten lautet wie folgt:
Die Besetzenden fordere ich auf, die Besetzung zu beenden und die erforderliche Diskussion nicht auf dem Ruecken der von der Besetzung durch Vorlesungsverlegungen betroffenen Studierenden auszutragen. Verbesserungen, insbesondere der Studierbarkeit des Studiums, erfordern die Mitwirkung der Studierenden. Daran hat es in der Vergangenheit immer wieder gefehlt, da die neuen Studiengaenge in der Tat immer weniger Raum fuer ein Engagement in der studentischen Selbstverwaltung oder in den Gremien der Universitaet lassen. Vielleicht muessen neue Strukturen geschaffen werden, in der die gemeinsame Arbeit effizienter gestaltet werden kann, um nachhaltige Verbesserungen moeglich zu machen. Der studentische Elan der letzten Wochen sollte nicht so schnell erloeschen. Wir brauchen aber einen konstruktiven Dialog statt Aktionismus und Besetzungen, wir brauchen Kooperation statt Konfrontation. Dafuer stehe ich gern zur Verfuegung.
Die Kultusministerkonferenz hatte sich am 15.10.2009 zusammen gesetzt und die folgenden Probleme zusammengestellt. Über die wesentlichen Kritikpunkte konnte man sich einigen:
- Stoffliche Ueberfrachtung und Pruefungsdichte im Gefolge zunehmender Strukturierung und “Verschulung” des Studiums
- Zu geringe Ausnutzung der Bandbreite der Regelstudienzeiten für Bachelor- und Masterstudiengaenge
- Zugangsbeschraenkungen zum Masterstudium (Leistungsvoraussetzungen, Kapazitaeten)
- Restriktive Anerkennung von Studien- und Pruefungsleistungen, unzureichende Aequivalenzregelungen in Studien- und Pruefungsordnungen
- Verschlechterung der internationalen Mobilitaet
- Akzeptanz des Bachelors als erster, berufsqualifizierender Abschluss
- Aufwaendige Akkreditierungsverfahren
- Studienbeitraege in mehreren Bundeslaendern
In diesem Zusammenspiel haben die Hochschulleitungen in der Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz am 24.11.09 ihre Erwartungen an die Laender formuliert:
- Verzicht auf die Leitvorstellung des Bachelors als Regelabschluss und des Masters als Ausnahme, ausreichende Kapazitaeten sowohl für den Bachelor- als auch für den Masterabschluss
- Flexible Loesungen für die Handhabung der Regelung, dass für die Vergabe des Mastergrades mindestens 300 ECTS-Kreditpunkte erreicht werden muessen (Anrechnung beruflich erworbener Kenntnisse, Brueckenkurse, etc.)
- Aufgabe der Unterscheidung konsekutiver und nicht-konsekutiver Studiengaenge (international unueblich und hinderlich)
- Details der Studiengangsgestaltung den Hochschulen ueberlassen (z. B. Umfang Masterarbeiten, Zugangskriterien Master)
- Angemessene Verfahren zur Zulassung von Studierenden zum Master ohne Zeitverlust vor Abschluss des Bachelor
- Regulierung auf wenige, laendergemeinsame Standards beschraenken
- Einheitliche Handhabung der Akkreditierungspflicht in den Laendern
- Anerkennung des finanziellen Mehrbedarfs durch die Bologna-Reform und Aufstockung der Grundfinanzierung
Der Dialog ist nun im vollen Gange und erste Reformen sind angestrebt. Trotzdem wird sich zeigen, wie lange der Uni-Präsident die Besetzung des Audimax noch duldet. Das weitere Verhalten beider Seiten wird einen großen Einfluss auf die zukünftige Diskussionsbereitschaft haben.
Quelle (Auszüge): E-Mail des Präsidenten Erich Barke (Leibniz Universität Hannover) vom 01.12.2009 14:27H
Pressemitteilung des Bildungsbündnis Hannovers (04.11.2009):