In den letzten Wochen beschäftigte sich die Berichterstattung hier auf die ungewöhnliche Kältewelle in Deutschland und in Europa, nun werfen wir aber mal einen Blick auf den vor der Küste Südamerikas auftretenden El Nino-Effekt. Der Begriff wurde im Jahr 1997 aufgrund eines ungewöhnlich heftigen El Ninos geboren, dabei betrugen die Abweichungen der durchschnittlichen Wassertemperatur in der Region über ein halbes Jahr lang >2,5°C. Dieser Effekt beeinflusst dabei das Wettermuster auf großen Teilen der Erde, so auch hier bei uns in Europa, auch wenn die Veränderungen im Vergleich zu anderen Teilen der Erde verschwindend gering sind. Das Ganze geriet schnell in Vergessenheit, nachdem die Folgejahre bis zum Jahr 2000 eine leichte Unterkühlung zeigten. Auch in den letzten Jahren gab es recht wenig zu berichten, die größte Abweichung nach Oben wurde wieder im Jahr 2002 registriert, wobei die Temperatur hier über ein halbes Jahr lang um etwa 1°C im Durchschnitt nach oben abwich. Während im Jahr 2007 der gegenteilige Effekt, genannt La Nina, auftrat und die Temperaturen leicht unterhalb der durchschnittlichen Mittelwerte lag, bahnt sich zur Zeit wieder ein nennenswertes El Nino-Ereignis an. Dabei zeigten die Messwerte ab Sommer 2009 ein kontinuierliches Ansteigen der Temperaturen, so dass im letzten Viertel des Jahres eine durchschnittliche Abweichung von +1,5°C erreicht wurde. Die aktuellen Messwerte in der ersten Januardekade zeigen sogar lokale Abweichungen von +2°C vom Mittel in der Region. Der Effekt soll aber nach Modellrechnungen jetzt seinen Höhepunkt erreichen und sich langsam auf Normalwerte abschwächen. Es muss auch an dieser Stelle aber eindeutig gesagt werden, dass sich die Auswirkungen auf das Wettergeschehen verzögern und auf keinen Fall ist dieser Effekt verantwortlich für die zur Zeit vorherrschende Kältewelle, weder in Europa, noch in Nordamerika. Grund für die Auslösung des Phänomens sind unter anderem schwache Passatwinde im westlichen Pazifik im Bereich Indonesien. Der dort angestaute “Warmwasserberg” kann sich so nach Osten zur Südamerikanischen Küste verlagern, was auch als positive Kelvinwelle bezeichnet wird. Um einen tieferen Einblick zu bekommen, wird an dieser Stelle auf die Fachliteratur verwiesen. (sz)
Kartenquelle: NOAA